Der öffentliche Personennahverkehr im Blickpunkt

Hartmut Mehdorn und seine Deutsche Bahn sind zuletzt Dauergast in den bundesweiten Medien gewesen. Doch die Hintergründe, ob Spitzelaffäre oder Arbeitslöhne, sind nur temporäre Aufmacher, um entweder einen neuen Bahnchef zu fordern, oder wenigstens den Unmut der Bürger zu nutzen, um Kasse zu machen. Das Kernthema allerdings wird oft gänzlich verdrängt, lediglich linksradikale Gruppen widmen sich ihm, von falschen Gründen geführt - der Verstaatlichung.

Der ÖPNV ist eine unverzichtbare Transportmöglichkeit für viele Millionen Bürger, die damit den Weg zu ihrem Arbeitsplatz zurücklegen, oder aber durch andere Umstände zur Nutzung genötigt sind. In Zeiten steigender Ölpreise und sinkender Ölvorräte, sowie hinsichtlich eines umweltverträglicheren Fahrens, ist es Verpflichtung des Staates diese Art der Fortbewegung zu gewährleisten. Ähnlich wie die Versorgung mit Strom, Wasser, Gas, sowie die Besorgung ausreichender Nahrungsmittel.

Dabei ist die Deutsche Bahn, ebenso wie die Vestische Straßenbahnen GmbH, laut Papier ein bundeseigenes Unternehmen, somit Staatseigentum und nicht privatisiert. Die geplante Teilprivatisierung durch Wolgang Tiefensee Ende 2007 wurde mit großen Medienecho aufgrund von Unstimmigkeiten abgelehnt. Scheinsoziale Verbände, bzw. kommunistisch geprägte Gruppen von Gewerkschaften bis hin zu Parteien, feierten diese Ablehnung als Sieg ihres falschen Sozialismus. Der Schein war gewahrt, die Bahn war auch weiterhin, zumindest auf dem Papier, Staatseigentum.

Die Führung des Unternehmens aber, ist alles andere als staatseigen. Ob Preise, Modernisierungen, Löhne und finanzpolitische Abläufe - man handelt im persönlichen Interesse des Kapitalismus, nicht im Sinne des Volkes, welches auf den Dienst angewiesen ist. Der Staat allerdings, ist das Volk, nicht die Regierung und nicht der Kapitalismus. Wenn die Deutsche Bahn also Eigentum des Staates wäre, wäre sie folgerichtig Eigentum des Volkes. Daher dürfte die Ausrichtung des Betriebes nicht kapitalistisch sein, also gewinnmaximierend, sondern müsste darauf bedacht sein grundsätzliche Leistungen, Standards und Preise aufrechtzuerhalten, solange dies im Verhältnis zum erwirtschafteten Kapital steht. Allerdings darf es niemals Ziel sein einen Maximalgewinn zu erwirtschaften. Anders hingegen bei der Deutschen Bahn, der Vestischen im Kreis Recklinghausen, so aber auch bei allen Grundversorgern bei Wasser, Strom und Gas.

So kostet, laut vestische.de, ein Monatsticket für einen ausgelernten Menschen in der Preisstufe B, auf welche er z.B. angewiesen ist wenn er in Grenznähe zu anderen Städten wohnt und diese Grenze natürlicherweise des öfteren überschreiten muss, 89,10 €. Umgerechnet ca. 175 Deutsche Mark. Für einen Sozialhilfeempfänger, der sich den Unterhalt eines eigenen Fahrzeuges sowie die Bezahlung eines Taxis nicht leisten kann, bedeutet dies, nach absehbaren Abzügen von der Grundversorgung, dass er in etwa 50% seines ihm zur Verfügung stehenden Geldes für ein Monatsticket opfern muss, um ggf. Vorstellungsgespräche und Weiterbildungsmaßnahmen etc. besuchen zu können. Aber auch für Auszubildende ist die finanzielle Last enorm. Für jene gilt zwar immerhin ein ,,Young Ticket" (bzw. Plus), dieses richtet sich allerdings nach dem Standort des Betriebes. Absolviert man also eine Berufsausbildung in seiner eigenen Stadt, bekommt man lediglich ein ,,Young Ticket" in der Stufe A ausgestellt. Sollte man nun werktags gezwungen sein, wohlmöglich noch täglich, außerhalb der eigenen Stadt zu verkehren (wie bereits erwähnt weil man möglicherweise in Grenznähe zu einer anderen Stadt lebt), ist man gezwungen entweder täglich Einzel- oder Zusatztickets zu lösen, oder aber sich ein anderes Monatsticket, für rund 90 Euro zuzulegen. Für alleinwohnende Auszubildende mit einem ca. Gehalt von 450-500 Euro Netto nicht möglich.

Vor allem der Jugend muss es ermöglicht werden die eigene Stadt zu verlassen, gerade wenn Kaufhäuser, Modeläden, sowie Jugendfreizeitmöglichkeiten eine Seltenheit in der eigenen Stadt darstellen. In Gladbeck beispielsweise fehlt es in der Innenstadt an allem, sollte das Kaufhaus Hertie schließen, gibt es keine Möglichkeit zum Einkauf von Haushaltswaren. Discotheken und größere Bars sucht man vergebens in Gladbeck. Wirkliche, zeitgemäße, Jugendeinrichtungen oder -verbände gibt es nicht. Multikulturelles Miteinander ist ein Muss bei jedem Jugendtreff, ein Grund weshalb sie kein Deutscher mehr besucht.

Wir fordern eine wirkliche staatliche Bahn- und Busgesellschaft, die als Hauptziel die Versorgung der Bürger festsetzt und nicht die eigene Kapitalmaximierung zum Selbstzweck.

Bus, Bahn, Wasser, Gas, Strom, Nahrung - Grundgüter, die es zu schützen gilt!